Klimaschutz durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz

08.07.20 von Andreas Henemann

Seit langem mahnen die Klimaforscher und Experten, dass alle Industrienationen ihr Engagement zur Reduktion der Treibhausgase erheblich verstärken müssen, um überhaupt noch das 2° Ziel der durchschnittlichen Erderwärmung zu erreichen. Dem damaligen Pariser Abkommen zufolge sollte die Erwärmung bereits bei 1,5 ° begrenzt werden. Nach neuesten Erkenntnissen scheint dieser Wert in Anbetracht der weltweit gestiegenen Treibhausgas-Emissionen in weite Ferne gerückt zu sein. Dabei sind die Folgen des Klimawandels,  z.B. lang anhaltenden Dürre- und Hitzeperioden mit Wasserknappheit, trockengefallenen Seen und Flüssen mit Fischsterben, Starkregenniederschläge mit Überschwemmungen, verheerende Stürme mit erheblichen Schäden und schmelzende Gletscher mit unaufhaltsamen Erdrutschen schon heute deutlich spürbar. Welche apokalyptischen Szenarien eine sogar noch über das 2° Ziel hinausgehende Erderwärmung haben würde, ist kaum vorstellbar. Es wird höchste Zeit den Klimaschutz ernst zu nehmen und weltweit Maßnahmen zu ergreifen, die den Treibhausgas-Ausstoss in den erforderlichen Größenordnungen reduzieren.  Dies ist in allen drei Sektoren des Jahresprimärenergieverbrauchs nämlich der Stromversorgung, der Mobilität und der Wärmeversorgung dringend erforderlich.

Bei der Stromversorgung sind wir bundesweit mit ca. 42 % aus erneuerbaren Energien zwar auf einem guten Weg, können und müssen hier aber wesentlich mehr tun. Neben Maßnahmen zur Energieeinsparung und Energieeffizienzsteigerung sollten dezentrale Kombikraftwerke bestehend aus Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen und wo möglich auch Wasserkraftanlagen gebaut werden. Diese sind in der Lage Stromerzeugungsfluktuationen zum größten Teil auszugleichen. Darüber hinaus sollten dezentrale kleine, mittlere und große Stromspeicher verbunden mit einem Stromlastmanagement in das Stromverteilnetz integriert werden. Zeitgleich dazu können die vorhandenen Atom- und Kohlekraftwerke vom Netz genommen und die hieran anschließenden Übertragungsnetze zum Transport von Strom aus erneuerbaren Energiequellen benutzt werden.

Bei der Mobilität sind die Verbrennungsmotoren das größte Problem, die für den hohen Schadstoffausstoß verantwortlich sind und zu den erheblichen Luftverschmutzungen in Städten mit hohen Verkehrsaufkommen führen. Leider hat die deutsche Automobilindustrie, die sich in letzter Zeit durch den Dieselskandal gerade nicht mit Ruhm bekleckert hat, bislang die Chance verpasst, marktreife preiswerte Elektromobile als Pkw oder Lkw zu entwickeln. Der für den Antrieb dieser Fahrzeuge erforderliche Strom kann über Hochleistungsakkus oder aber über wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen zur Verfügung gestellt werden. Natürlich sollte der Wasserstoff regenerativ, also auf Basis erneuerbarer Energien, erzeugt werden. Wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen haben ein breites Verwendungsspektrum und können auch zum Antrieb von Schiffen, Bussen und Bahnen eingesetzt werden.

Bei der Wärmeversorgung, deren Anteil ca. 52 % des Jahresendenergieverbrauchs beträgt und zum größten Teil der Beheizung unserer Gebäude dient, spielen die erneuerbaren Energien nur eine kleine Rolle. Dies muss sich dringend ändern; denn hier gibt es erhebliche Energieeinsparpotentiale, die erschlossen werden können, insbesondere im Altbaubestand. Heizwärmeverbräuche von 150 bis 275 kWh/m²a und darüber hinaus sind keine Seltenheit. Durch geeignete energetische Sanierung vor allem der Außenhülle eines Gebäudes, also des Bodens, der Außenwände, der Fenster und des Daches sowie zumindest einer teilweise passiven und aktiven Nutzung der Sonnenenergie lassen sich respektable Reduzierungen der Energieverbräuche erreichen.  Solarenergetisch geplante Neubauten, sog. Plusenergiehäuser, erzeugen im Jahresmittel ausschließlich durch die auf ihres Außenhüllen treffende Sonnenstrahlung sogar mehr Energie als sie für den eigenen Strom- und Wärmebedarf inkl. Elektromobilladestation benötigen und können noch zusätzlich Strom in das öffentliche Netz einspeisen. All diese Maßnahmen führen zu mehr Energieunabhängigkeit, Versorgungs- und Preissicherheit sowie zur klimagerechten  Weiterentwicklung.

Architekt Dipl.-Ing. Andreas Henemann, 49610 Quakenbrück

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